EN

Kieznah.

Sicherheit

Ist Berlin gefährlich? Was die Zahlen sagen und worauf du achten solltest

Wer nach Berlin kommt, liest vorher oft Schlagzeilen über Messer, Drogen und gefährliche Parks. Wir haben uns die offizielle Kriminalstatistik und die Liste der Polizei angeschaut und erklären, was davon dich als Gast wirklich betrifft. Kurz gesagt: Halte deine Tasche fest, und du hast in Berlin die meisten Risiken schon im Griff.

Kieznah · Sicherheit · Lesezeit ca. 7 Minuten · Stand: Oktober 2026

Notruf Polizei 110, Feuerwehr und Rettung 112

Häufigstes Risiko Taschendiebstahl an vollen Orten und in Bahnen

Bus und Bahn Waffen- und Messerverbot seit Juli 2025

U-Bahnhöfe Notrufsäulen mit rotem SOS-Knopf am Bahnsteig

01 Was die Statistik sagt

Die Polizei Berlin hat für 2025 genau 502.743 Straftaten erfasst, 36.306 weniger als im Jahr davor, ein Rückgang um 6,7 Prozent. Auf 100.000 Einwohner kamen 13.642 Straftaten, nach 14.719 im Vorjahr. Den größten Teil machen Diebstähle aus: Rund 110.000 einfache und 93.000 schwere Diebstähle stehen in der Statistik, darunter 22.630 gestohlene Fahrräder und 13.621 Taschendiebstähle, beides deutlich weniger als 2024. Auch die ausgewählten Delikte in Bussen, Bahnen und Bahnhöfen, die Polizei und Bundespolizei gesondert zählen, sind um rund 10 Prozent gesunken.

Ehrlich gehört dazu, was mehr geworden ist: Wohnungseinbrüche stiegen um knapp ein Viertel auf 10.618 Fälle, und die Fälle, in denen mit einer Schusswaffe gedroht oder geschossen wurde, haben zugenommen. Die Polizei zählte außerdem 3.599 Messerangriffe. Knapp die Hälfte davon waren Bedrohungen, und bei mehr als einem Drittel kannten sich Opfer und Tatverdächtige vorher.

02 Was die Zahl nicht sagt

13.642 Straftaten pro 100.000 Einwohner klingt viel, und große Städte liegen überall deutlich über dem Landesschnitt. Gerechnet wird aber nur mit den gemeldeten Einwohnern. Pendler, Touristen und Partygäste, die täglich dazukommen, stehen nicht im Nenner, ihre Taschen und Fahrräder aber sehr wohl in der Statistik. Mitgezählt wird außerdem alles vom Ladendiebstahl bis zum Schwarzfahren. Die Zahl sagt also viel über eine Großstadt mit vielen Menschen auf engem Raum und wenig darüber, wie sicher du dich auf einem Spaziergang durch Schöneberg fühlen wirst.

03 Die sieben „kriminalitätsbelasteten Orte“

Seit dem 1. Juli 2026 führt die Polizei per Verordnung sieben kriminalitätsbelastete Orte: Alexanderplatz, Görlitzer Park/Wrangelkiez, Hermannplatz/Donaukiez, Hermannstraße/Bahnhof Neukölln, Kottbusser Tor, Rigaer Straße und Warschauer Brücke. Die Polizei hat die genauen Grenzen auf berlin.de veröffentlicht. Wichtig ist, was diese Liste bedeutet: An diesen Orten darf die Polizei ohne konkreten Verdacht Ausweise kontrollieren und Personen durchsuchen. Es ist ein Werkzeug für die Polizei und keine Sperrzone für Besucher. Durch mehrere dieser Orte kommst du ohnehin, am Alexanderplatz steigen täglich sehr viele Menschen um, und an der Warschauer Brücke beginnt für viele der Abend. Eine Kontrolle dort ist kein Grund zur Sorge, Ausweis dabeihaben hilft.

04 Görlitzer Park: der Zaun und die Gerichte

Der „Görli“ in Kreuzberg ist der bekannteste Problemort der Stadt, vor allem wegen des Drogenhandels. Der Senat hat ihn eingezäunt und wollte ihn ab März 2026 nachts schließen. Fünf Anwohner klagten, das Verwaltungsgericht stoppte die Schließung im Eilverfahren, und Anfang Oktober 2026 wies das Oberverwaltungsgericht die Beschwerde des Senats zurück. Der Park ist damit vorerst auch nachts offen, das Hauptverfahren läuft noch. Tagsüber ist der Görli ein voller Kiezpark mit Familien, Grillenden und Fußball. Nachts würden wir außen herum gehen, und wer dir im Park etwas anbietet, dem sagst du einfach freundlich nein.

05 Was Besuchern wirklich passiert

Die meisten Gäste erleben in Berlin keine Gewalt. Ärger machen eher drei Dinge. Taschendiebe arbeiten dort, wo es eng ist: in vollen U-Bahnen, auf Weihnachtsmärkten, an Sehenswürdigkeiten. Hütchenspieler bauen in der warmen Jahreszeit ihre Becher am Alexanderplatz, an der Schlossbrücke, am Kurfürstendamm, am Berliner Dom und an der East Side Gallery auf. Die Polizei nennt das Trickbetrug, mitspielen heißt verlieren, und Komplizen in der Menge nutzen die Ablenkung für die nächste Tasche. Und an touristischen Orten geben sich Betrüger als Polizisten aus, um Bargeld und Karten zu „prüfen“. Echte Beamte zeigen dir ihren Dienstausweis.

Der Klassiker

Handy auf dem Cafétisch

Jemand breitet einen Stadtplan auf deinem Tisch aus und fragt nach dem Weg. Wenn der Plan weg ist, ist dein Handy auch weg.

Kieznah-Tipp

Vorne tragen, innen verstauen

Rucksack in der vollen Bahn nach vorne, Geldbörse und Handy in die Innentasche, nur das Bargeld dabei, das du brauchst. Mehr braucht es meistens nicht.

06 Nachts unterwegs

Berlin fährt am Wochenende die ganze Nacht, unter der Woche übernehmen Nachtbusse, mehr dazu in BVG verstehen. Schlaf in der Bahn nicht ein, schlafende Fahrgäste sind für Diebe die leichtesten Opfer, und wer zu müde ist, nimmt lieber ein Taxi. Auf den U-Bahnhöfen stehen Notrufsäulen mit rotem SOS-Knopf, darüber erreichst du direkt die Sicherheitsleitstelle der BVG, die Polizei oder Rettung schicken kann. Auf S-Bahnhöfen gibt es diese Säulen in der Regel nicht, dort hilft im Ernstfall die 110. Seit dem 17. Juli 2025 gilt im gesamten Berliner Nahverkehr ein Waffen- und Messerverbot, auch in Bahnhöfen und auf Bahnsteigen, und die Polizei darf dort ohne Anlass kontrollieren. Wer nachts allein nach Hause läuft und sich Begleitung am Telefon wünscht, findet beim Heimwegtelefon ehrenamtliche Begleiter, die Zeiten stehen auf heimwegtelefon.net.

07 Wenn doch etwas passiert

Im Notfall wählst du 110 für die Polizei und 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, beide funktionieren auch von ausländischen Handys. Ist die Geldbörse weg, lass als Erstes deine Karten sperren, in Deutschland geht das für viele Banken über den Sperr-Notruf 116 116. Eine Anzeige kannst du auf jeder Polizeiwache stellen oder für viele Fälle online über die Internetwache der Polizei Berlin, das Bürgertelefon der Polizei erreichst du unter 030 4664 4664. Wenn du als schwuler oder bisexueller Mann Gewalt erlebst, ist MANEO eine spezialisierte Berliner Anlaufstelle.

Keine bezahlten Erwähnungen. Quellen: Polizei Berlin, Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2025 (Kurzbericht) und Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Inneres vom 11.03.2026; Polizei Berlin, Kriminalitätsbelastete Orte (Verordnung vom 17.06.2026); VBB zum Waffen- und Messerverbot im Nahverkehr; Berliner Zeitung und Tagesspiegel zum Görlitzer Park (Oktober 2026); visitBerlin, Sicher durch Berlin; berlin.de zu Hütchenspiel, Taschendiebstahl und den Notrufsäulen der BVG. Stand: Oktober 2026. Die Lage ändert sich, aktuelle Hinweise gibt die Polizei Berlin.