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Kieznah.

Stadtgeschichte

Berliner Unterwelten: Bunker, Fluchttunnel und ein Flakturm zum Hineinsteigen

Unter Berlin liegt eine zweite Stadt aus Bunkern, Tunneln und Schutzräumen, und einige davon kannst du betreten. Hier stehen die Touren, die sich lohnen, was sie kosten, wo sie starten und für wen sie nichts sind. Dazu zwei Orte, für die du keine Führung brauchst.

Kieznah · Stadtgeschichte · Lesezeit ca. 8 Minuten · Stand: Oktober 2026

Preis Touren des Berliner Unterwelten e.V. meist 18 Euro, ermäßigt 13 Euro

Dauer etwa 90 Minuten

Tickets nur online, kein Verkauf vor Ort

Mitbringen feste geschlossene Schuhe, warme Kleidung (unten oft um 10 Grad)

Der Klassiker

Dunkle Welten

Die bekannteste Tour: Luftschutzräume hinter einer grünen Tür im U-Bahnhof Gesundbrunnen.

Kieznah-Tipp

Geisterbahnhof Nordbahnhof

Eine Ausstellung über die gesperrten Bahnhöfe der Teilung, mitten im S-Bahnhof, ohne Eintritt.

Fast alle Touren unter die Stadt bietet der Berliner Unterwelten e.V. an, ein Verein, der viele dieser Anlagen selbst freigelegt hat. Die Anlagen sind nicht barrierefrei, man geht oder steht die meiste Zeit, es gibt steile Treppen und vor Ort keine Toiletten. Kinder unter 7 Jahren dürfen nicht mit, und für einige Touren gelten höhere Altersgrenzen.

Die Touren

01 Dunkle Welten · Gesundbrunnen

vom U-Bahnhof Gesundbrunnen zum Treffpunkt etwa 4 Minuten

Hinter einer grünen Tür im U-Bahnhof Gesundbrunnen liegen auf mehreren Etagen Schutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg wurden sie nicht gesprengt, weil das den U-Bahn-Tunnel gefährdet hätte, und 1998 entdeckte der Verein sie wieder. Heute ist dort das Berliner Unterwelten-Museum mit Funden aus Bunkern des alten Regierungsviertels, und die Tour erklärt nebenbei Rohrpost, Brauereikeller und Kanalisation. Treffpunkt ist die Brunnenstraße 105 am südlichen Zugang zum U-Bahnhof. Empfohlen frühestens ab der 8. Klasse.

02 Vom Flakturm zum Trümmerberg · Humboldthain

vom U-Bahnhof Gesundbrunnen in den Volkspark Humboldthain etwa 8 Minuten

Zwischen 1940 und 1942 entstanden in Berlin drei Flakturmpaare, eines davon im Humboldthain: Bunker von etwa 70 mal 70 Metern und rund 40 Metern Höhe. Nach dem Krieg sprengten die Alliierten die Türme, die Nordseite im Humboldthain blieb nur stehen, weil die Gleise daneben nicht beschädigt werden durften. Bis 1950 wurde etwa 1,4 Millionen Kubikmeter Schutt darüber gekippt. Seit 2004 führt der Verein durch drei der sieben Geschosse, mit Helm und Blicken von Brücken in die Tiefe. Teilnahme erst ab 18 Jahren, Winterpause von November bis April. Den Turm von außen siehst du auch in der Ringbahn-Serie, Teil 5.

03 Unterirdisch in die Freiheit · Mitte

vom U-Bahnhof Bernauer Straße zum Treffpunkt etwa 1 Minute

Die Geschichte der Fluchttunnel unter der Mauer: Laut Verein sind mehr als 75 Tunnel bekannt, nur 19 waren erfolgreich, und durch sie kamen bis zu 450 Menschen von Ost- nach West-Berlin. Höhepunkt ist der Blick in den einzigen erhaltenen Original-Fluchttunnel von 1970/71, neun Meter unter der Erde, erschlossen durch einen rund 30 Meter langen Besuchertunnel. Treffpunkt ist die Brunnenstraße 141. Empfohlen frühestens ab der 10. Klasse. Danach lohnt die Gedenkstätte Berliner Mauer ein paar Schritte weiter.

04 Fichtebunker · Kreuzberg

vom U-Bahnhof Südstern zu Fuß etwa 8 Minuten

Ein Bunker, den man nicht als Bunker erkennt: 1941 und 1942 wurde er in einen stillgelegten Gasbehälter aus dem 19. Jahrhundert gebaut, mit sechs Etagen, 600 Räumen und Platz für 6.000 Menschen. Nach dem Krieg war er Flüchtlingsunterkunft, Jugendgefängnis, Altenheim, Obdachlosenasyl und schließlich geheime West-Berliner Reserve für den Fall einer neuen Blockade. Heute stehen auf dem Dach verglaste Wohnungen. Treffpunkt Fichtestraße 6.

05 Atombunker Pankstraße · Gesundbrunnen

Im U-Bahnhof Pankstraße liegt eine Mehrzweckanlage aus den 1970er Jahren, seit 2010 denkmalgeschützt. Mehr als 3.000 Menschen sollten hier zwei Wochen lang Schutz finden, mit eigenem Wasserwerk, Stahlbetontoren und Notstrom. Die Tour fragt auch, wie es heute um den Zivilschutz steht. Eine weitere Tour zum Kalten Krieg führt in die Anlage am Blochplatz, die zwischen 1981 und 1983 behelfsmäßig zum Schutzraum hergerichtet wurde.

Ohne Führung und ohne Ticket

06 Ausstellung Grenz- und Geisterbahnhöfe · Mitte

im S-Bahnhof Nordbahnhof, Zugang Gartenstraße

Während der Teilung fuhren West-Berliner Züge unter Ost-Berlin durch Bahnhöfe, die gesperrt und bewacht waren. Im Zwischengeschoss des früheren Geisterbahnhofs Nordbahnhof erklärt eine Ausstellung der Gedenkstätte Berliner Mauer diese Geschichte an Fallbeispielen, im Boden sind die früheren Sperrmauern markiert. Der Eintritt ist frei, zugänglich ist sie während der Betriebszeiten der S-Bahn.

07 Sammlung Boros im Reichsbahnbunker · Mitte

vom U-Bahnhof Oranienburger Tor zu Fuß etwa 6 Minuten

Ein Bunker voller Gegenwartskunst: In einem umgebauten Bunker in der Reinhardtstraße 20 zeigt das Sammlerpaar Karen und Christian Boros auf 3.000 Quadratmetern wechselnde Ausschnitte seiner Sammlung. Hinein kommst du nur mit Führung und Ticket, das du online buchst.

Wer nach dem Untergrund noch mehr dunkle Kapitel sucht, findet sie in Hinter Gittern. Und an einem grauen Tag passen die Touren gut in unseren Plan für Berlin bei Regen.

Unsere Auswahl. Touren, Preise, Treffpunkte und Altersgrenzen geprüft beim Berliner Unterwelten e.V., bei der Sammlung Boros und beim Museumsportal Berlin, Stand Oktober 2026. Gehzeiten aus OpenStreetMap-Daten. Keine bezahlten Erwähnungen, wir waren nicht auf Einladung dort. Termine wechseln, bitte vorher im Online-Shop prüfen.