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Kieznah.

Geschichte

Hinter Gittern: was aus Berlins alten Gefängnissen wurde

In Berlin kann man heute dort essen und schlafen, wo früher Frauen eingesperrt waren. Zwei ehemalige Frauengefängnisse sind zu Hotel, Restaurant und Bar geworden, andere Gefängnisse zu Gedenkorten. Die Geschichte dieser Häuser ist schwer, auch deshalb steht sie hier zuerst und die Speisekarte danach.

Kieznah · Geschichte · Lesezeit ca. 7 Minuten · Stand: Oktober 2026

Heute Hotel und Restaurant Frauengefängnis Kantstraße (Wilmina), Frauengefängnis Lichterfelde (The Knast)

Heute Gedenkorte Zellengefängnis Moabit, Arbeitshaus Rummelsburg, Plötzensee, Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen

Kostenlos Geschichtspark Moabit, Gedenkort Rummelsburg, Ausstellungen in Hohenschönhausen

Der Klassiker

Gedenkstätte Hohenschönhausen

Das ehemalige Stasi-Gefängnis, zu sehen nur mit Führung. Tickets am besten vorher online buchen.

Kieznah-Tipp

Geschichtspark Moabit, dann Kantstraße

Erst der stille Park auf dem Grundriss des Zellengefängnisses, abends ein Glas in der Bar des früheren Frauengefängnisses.

01 Frauengefängnis Kantstraße, heute Wilmina · Charlottenburg

vom S-Bahnhof Charlottenburg zu Fuß etwa 7 Minuten

Ab 1896 entstand in der Kantstraße 79 nach Plänen von Adolf Bürckner und Eduard Fürstenau ein Ensemble aus Gerichtsgebäude vorn und einem Backsteinbau dahinter, in dem Platz für 100 Gefangene war. In der NS-Zeit saßen hier vor allem Frauen aus dem Widerstand, einige von ihnen warteten hier auf ihre Hinrichtung. 1985 schloss das Gefängnis, danach lagerten hier Akten des Grundbuchamts, und lange lag das Gelände vergessen hinter verschlossenen Toren. Das Architektenpaar Almut Grüntuch-Ernst und Armand Grüntuch kaufte das denkmalgeschützte Ensemble und eröffnete es nach zehn Jahren Umbau 2022 als Hotel Wilmina. Fenstergitter, viele historische Türen und das Treppengeländer sind geblieben. Eine Zelle im hinteren Treppenhaus sollte im Originalzustand erhalten bleiben, mit Dokumenten über frühere Insassinnen. Auch ohne Übernachtung kommt man hinein: Das Restaurant Lovis öffnet dienstags bis samstags ab 18:30 Uhr, die Bar täglich ab 18 Uhr.

02 Frauengefängnis Lichterfelde, heute The Knast · Lichterfelde

vom S-Bahnhof Lichterfelde West zu Fuß etwa 16 Minuten

In der Söhtstraße 7 entstand Anfang des 20. Jahrhunderts ein Gefängnis, das von 1906 bis 2010 als Justizvollzugsanstalt diente, zuletzt für Frauen. Mehr als hundert Jahre Haft endeten 2010, danach stand das denkmalgeschützte Haus leer und wurde für Kunst, Konzerte und Veranstaltungen genutzt. Der neue Eigentümer Joachim Köhrich hat es restauriert, 2024 wurde der Umbau mit einem Denkmalpreis ausgezeichnet. Heute heißt es The Knast: ein Restaurant mit gehobener Küche, dienstags bis samstags von 17 bis 23 Uhr, eine Bar in der ehemaligen Gefängniskapelle, Ateliers und ein kleines Hotel, laut Fachpresse mit neun Zimmern, für die jeweils zwei bis vier Zellen zusammengelegt wurden. Ob schon gebucht werden kann, steht auf der Seite des Hauses. Wichtig für die Planung: Das Haus richtet sich ausdrücklich an Erwachsene, mit Kindern kommt man hier nicht hinein.

Ich war als Gast im Knast, und es ist ein beeindruckender Ort. Eine echte Zelle ist dort noch im Original zu sehen, man kann sie von innen anschauen. Der Flurtrakt sieht genau so aus, wie man ein Gefängnis aus Filmen kennt. Und die Küche ist richtig gut, gehobene Qualität.
Daniel

03 Geschichtspark Zellengefängnis Moabit · Moabit

Gegenüber dem Hauptbahnhof liegt der Park auf dem Gelände des Zellengefängnisses von 1842 bis 1849, in dem Albrecht Haushofer die „Moabiter Sonette“ schrieb. Seit 2006 ist er öffentlich und kostenlos, die Gestaltung zeichnet den sternförmigen Grundriss nach. Alles Weitere steht in Kieze, die noch keiner auf dem Zettel hat.

04 Gedenkort Rummelsburg · Lichtenberg

Auf dem Gelände des Arbeitshauses von 1879, später Gefängnis in der NS-Zeit und in der DDR, erzählen seit 2015 Stelen unter freiem Himmel von den Menschen, die hier eingesperrt waren. Mehr in Ringbahn Teil 2.

05 Gedenkstätte Plötzensee · Charlottenburg-Nord

In der früheren Hinrichtungsstätte des Strafgefängnisses Plötzensee ließ die NS-Justiz Menschen aus dem Widerstand und viele andere töten. Heute ist der Raum eine Gedenkstätte am Hüttigpfad, täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, geschlossen vom 24. bis 26. Dezember sowie am 31. Dezember und 1. Januar. Ein stiller, schwerer Ort, der zeigt, was Widerstand gegen das NS-Regime kosten konnte.

06 Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen · Lichtenberg

Das zentrale Untersuchungsgefängnis der Stasi ist heute eine Gedenkstätte. Die Ausstellungen sind kostenlos und täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, das Gefängnis selbst siehst du nur bei einer Führung, für 9 Euro, ermäßigt 5 Euro, Schüler 2,50 Euro. Tickets für die Rundgänge bucht man am besten vorher online.

Gut zu wissen

Die Gedenkorte sind keine Kulisse für Fotos, und auch in Hotel und Restaurant erinnern Gitter und Türen an Menschen, die hier nicht freiwillig waren. Wer beides verbinden will, beginnt mit der Geschichte und isst danach. Für Wilmina und The Knast lohnt sich eine Reservierung, die Zeiten können sich ändern.

Unsere Auswahl, Bewertungen und Wege. Öffnungszeiten und Daten geprüft bei den Betreibern, den Gedenkstätten und beim Land Berlin, Stand Oktober 2026. Gehzeiten aus OpenStreetMap-Daten. Keine bezahlten Erwähnungen. Daniel war als Gast im Knast, eine geschäftliche Verbindung zu den Häusern gibt es nicht. Zeiten können sich ändern, bitte vor dem Besuch prüfen.