Linien-Serie · Teil 1
Bus 100 und 200: Stadtrundfahrt für ein AB-Ticket
Zwei ganz normale BVG-Linien fahren vom Zoo zum Alexanderplatz an fast allem vorbei, wofür andere eine Stadtrundfahrt buchen. Der 100er nimmt den Weg durch den Tiergarten und über Unter den Linden, der 200er den über den Potsdamer Platz und durchs Nikolaiviertel. Wir gehen beide Strecken Haltestelle für Haltestelle durch und sagen dir, wie weit es jeweils zu Fuß ist.
Bus 100 Hertzallee bis Memhardstraße, 19 Haltestellen, laut BVG im Schnitt 31 Minuten
Bus 200 Hertzallee bis Michelangelostraße, 28 Haltestellen, laut BVG im Schnitt 47 Minuten
Ticket AB reicht, für Zwischenstopps und Rückfahrt die 24-Stunden-Karte
Gehzeiten Gemessen auf Fußwegen von OpenStreetMap
Die Linien-Serie
- Teil 1: Bus 100 und 200
- Dazu passend: die Ringbahn-Serie
So fährst du die Runde
Beide Linien starten an der Haltestelle Hertzallee hinter dem Bahnhof Zoologischer Garten und fahren bis zum Breitscheidplatz dieselbe Strecke. Danach trennen sie sich: Der 100er fährt durch den Tiergarten, am Reichstag vorbei und über Unter den Linden, der 200er über die Tiergartenstraße, den Potsdamer Platz und die Leipziger Straße. An der Marienkirche treffen sie sich wieder und halten beide am Alexanderplatz. Dort endet der 100er, der 200er fährt weiter durch den Volkspark Friedrichshain bis nach Prenzlauer Berg. Am schönsten wird es, wenn du mit dem 100er hinfährst und mit dem 200er zurück, dann siehst du beide Seiten von Mitte.
Der beste Platz für diese Fahrt ist oben in der ersten Reihe. Doppeldecker nennt die BVG auf ihrer Sightseeing-Seite allerdings nur für den 200er. Auf dem 100er fahren laut einem Bericht der Berliner Zeitung von 2022 normale Busse, weil der Tunnel unter Unter den Linden die schweren Doppeldecker nicht mehr trägt. Wer oben sitzen will, steigt also in den 200er.
Es gilt das normale BVG-Ticket für den Tarifbereich AB. Der Einzelfahrschein gilt zwei Stunden in eine Richtung, Umsteigen ist erlaubt, eine Rückfahrt nicht. Für die Runde mit dem 100er hin und dem 200er zurück, mit Aussteigen unterwegs, nimmst du deshalb die 24-Stunden-Karte. Wie die Tickets funktionieren, steht in BVG verstehen. Kommentar vom Band gibt es keinen, den liefern wir hier.
100 · 200 Breitscheidplatz · Aussteigen lohnt
Die zweite Haltestelle nach dem Start, mitten in der City West.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 2 Minuten
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Die Turmruine der alten Kirche blieb nach der Zerstörung 1943 als Mahnmal stehen, die Berliner nennen sie „hohler Zahn“. Daneben baute Egon Eiermann 1961 die neue Kirche, deren Wände aus blauem Glas innen leuchten.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 3 Minuten
Elefantentor des Zoos
Zwei steinerne Elefanten tragen das Dach über dem Eingang an der Budapester Straße. Auch wer nicht in den Zoo will, bleibt hier für ein Foto stehen.
Mit dem 100er durch den Tiergarten
Hinter dem Lützowplatz biegt der 100er in den Tiergarten ab. Ab hier reiht sich eine Sehenswürdigkeit an die nächste.
100 Großer Stern · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 4 Minuten
Siegessäule
Route in Google Maps · Mehr bei berlin.de
Über 285 Stufen kommst du hinauf zur Aussichtsplattform direkt unter der goldenen Figur, die die Berliner „Goldelse“ nennen. Einen Aufzug gibt es nicht, und laut berlin.de wird der Eintritt nur bar bezahlt. Zur Säule in der Mitte des Kreisverkehrs gehst du durch eine Fußgängerunterführung.
100 Schloss Bellevue
von der Haltestelle zu Fuß etwa 1 Minute
Amtssitz des Bundespräsidenten
Das weiße Schloss am Spreeweg ist der Amtssitz des Bundespräsidenten. Hinein kommst du nicht, die Fassade siehst du aber schon aus dem Bus.
100 Haus der Kulturen der Welt · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 3 Minuten
Die „Schwangere Auster“
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Der US-Architekt Hugh Stubbins entwarf das Gebäude als Kongresshalle, ein Geschenk der USA zur Internationalen Bauausstellung 1957. Wegen des geschwungenen Dachs nennen die Berliner es „Schwangere Auster“. 1980 stürzte das Dach ein, 1987 öffnete der Bau originalgetreu wieder. Heute zeigt das Haus der Kulturen der Welt Ausstellungen und Konzerte, und vom Ufer davor schaust du über die Spree zum Kanzleramt.
100 Reichstag/Bundestag · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 2 Minuten
Kuppel des Reichstagsgebäudes
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Die gläserne Kuppel über dem Plenarsaal ist kostenlos, aber nur mit Anmeldung beim Bundestag, am besten online und früh, und mit Ausweis. Bei großer Hitze kann sie geschlossen sein.
100 S+U Brandenburger Tor · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 5 Minuten
Brandenburger Tor und Pariser Platz
Der Bus hält an Unter den Linden, das Tor liegt am Ende des Pariser Platzes. Früh am Morgen ist es hier am ruhigsten.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 7 Minuten
Denkmal für die ermordeten Juden Europas
2.711 Betonstelen nach dem Entwurf von Peter Eisenman, seit 2005 frei zugänglich. Zwischen den Stelen wird es enger und stiller, je weiter du hineingehst.
100 Staatsoper · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 1 Minute
Neue Wache
In dem kleinen Bau von Karl Friedrich Schinkel steht unter einer runden Öffnung im Dach die Pietà von Käthe Kollwitz, eine Mutter mit ihrem toten Sohn. Seit 1993 ist die Neue Wache die zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 4 Minuten
Bebelplatz
Am 10. Mai 1933 verbrannten hier Studenten und Nationalsozialisten Bücher. Mitten auf dem Platz schaust du durch eine Glasplatte in einen unterirdischen Raum mit leeren weißen Regalen: die „Bibliothek“ von Micha Ullman, seit 1995 das Denkmal an die Bücherverbrennung.
100 U Museumsinsel · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 2 bis 3 Minuten
Berliner Dom, Lustgarten und Humboldt Forum
Rund um die Haltestelle liegen der Berliner Dom, der Lustgarten vor dem Alten Museum und gegenüber das Humboldt Forum im wiederaufgebauten Schloss. Die Museumsinsel mit ihren fünf Museen ist seit 1999 UNESCO-Welterbe. Auf dem Rasen im Lustgarten machen viele Berliner Mittagspause.
Mit dem 200er über den Potsdamer Platz
Der 200er fährt am Südrand des Tiergartens entlang, durch das Kulturforum und dann quer durch die Friedrichstadt. Weniger Postkartenmotive, dafür mehr Geschichte des 20. Jahrhunderts.
200 Philharmonie · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 3 Minuten
Philharmonie
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Das gelbe Haus der Berliner Philharmoniker mit dem zeltartigen Dach baute Hans Scharoun bis 1963, es war der erste Bau des Kulturforums.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 4 Minuten
Neue Nationalgalerie
Ein Dach aus Stahl über einer Halle aus Glas: Ludwig Mies van der Rohe stellte das Museum 1968 fertig, es war sein letzter großer Bau. Drinnen hängt die Kunst des 20. Jahrhunderts.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 4 Minuten
Gedenkort T4
Route in Google Maps · Mehr bei berlin.de
In der Tiergartenstraße 4 planten die Nationalsozialisten die Morde an Kranken und Menschen mit Behinderung, in der „Aktion T4“ wurden 1940 und 1941 mehr als 70.000 Patienten mit Gas getötet. Seit 2014 erinnert eine 24 Meter lange blaue Glaswand neben der Philharmonie an die Opfer.
200 Leipziger Str./Wilhelmstr.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 8 Minuten
Topographie des Terrors
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Auf diesem Gelände saßen von 1933 bis 1945 Gestapo, SS-Führung und Reichssicherheitshauptamt. Die Ausstellung erklärt, was von hier aus geplant wurde, der Eintritt ist frei. An der Niederkirchnerstraße steht noch ein Stück Mauer.
200 U Stadtmitte · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 8 Minuten
Gendarmenmarkt
Das Konzerthaus steht zwischen zwei fast gleichen Kirchtürmen, dem Deutschen und dem Französischen Dom. Für uns einer der schönsten Plätze der Stadt.
Der Klassiker
Checkpoint Charlie
Fünf Minuten von der Haltestelle, mit Kontrollhäuschen, Fotomotiven und viel Gedränge.
Kieznah-Tipp
Die Topographie des Terrors
Eine Haltestelle früher aussteigen: freier Eintritt, ein echtes Stück Mauer und eine Ausstellung, nach der du die Stadt anders siehst.
200 U Rotes Rathaus · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 2 Minuten
Rotes Rathaus
Das Rathaus aus rotem Backstein ist der Sitz des Regierenden Bürgermeisters und des Senats.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 4 Minuten
Nikolaiviertel
Die Nikolaikirche gilt als ältestes erhaltenes Kirchengebäude Berlins, gebaut ab etwa 1230. Im Krieg wurde sie bis auf die Grundmauern zerstört, zur 750-Jahr-Feier 1987 baute die DDR die Kirche und das Viertel um sie herum wieder auf. Viele der alt wirkenden Häuser sind deshalb Nachbauten. Heute ist die Kirche ein Museum des Stadtmuseums Berlin.
Beide Linien am Alexanderplatz
100 · 200 Spandauer Str./Marienkirche · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 2 Minuten
Marienkirche und der Totentanz
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Die Kirche wird 1292 zum ersten Mal erwähnt und ist die einzige mittelalterliche Pfarrkirche in der Mitte Berlins, in der noch Gottesdienst gefeiert wird. In der Turmhalle zeigt ein etwa 22 Meter langes Wandbild aus der Zeit um 1484, wie der Tod Menschen aller Stände zum Tanz holt.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 3 Minuten
Neptunbrunnen
Zwischen Marienkirche und Rotem Rathaus sitzt Neptun über vier Frauenfiguren, die für die großen Flüsse Preußens stehen.
100 · 200 S+U Alexanderplatz/Memhardstr. · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 4 Minuten
Fernsehturm
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Mit rund 368 Metern ist der Fernsehturm das höchste Bauwerk Deutschlands, eröffnet am 3. Oktober 1969. Von der Haltestelle aus hast du ihn die ganze Zeit vor Augen.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 6 Minuten
Weltzeituhr
Der Treffpunkt auf dem Alexanderplatz, an dem du ablesen kannst, wie spät es gerade in anderen Städten der Welt ist. Hier endet der 100er.
Mit dem 200er weiter nach Prenzlauer Berg
Hinter dem Alexanderplatz wird es ruhiger, der 200er fährt am Volkspark Friedrichshain vorbei in die Wohnviertel.
200 Am Friedrichshain · Aussteigen lohnt
von der Haltestelle zu Fuß etwa 3 Minuten
Märchenbrunnen
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Am Eingang des ältesten Volksparks Berlins steht seit 1913 der Märchenbrunnen von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann, mit 106 Steinfiguren aus Märchen wie Aschenputtel und Hänsel und Gretel. Das Landesdenkmalamt zählt ihn zu den prächtigsten Anlagen des späten Jugendstils in Berlin.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 12 Minuten
Großer Bunkerberg
Unter den beiden Hügeln im Park liegen gesprengte Bunker aus dem Krieg. Oben auf dem großen hast du zwischen den Bäumen einen Blick über die Dächer.
200 Bötzowstr.
von der Haltestelle zu Fuß etwa 10 Minuten
Bötzowviertel und Arnswalder Platz
Das Viertel trägt den Namen einer alten Brauerei, mit ruhigen Altbaustraßen und Cafés. Durch die Straßen gehst du zum Arnswalder Platz in der Mitte des Kiezes. Mehr im Kiez-Atlas. Danach fährt der 200er noch sechs Haltestellen bis zur Endhaltestelle Michelangelostraße, für Besucher lohnt sich das Aussteigen dort nicht mehr.