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Kieznah.

Wer Berlin geprägt hat · Teil 4

Arabisches Berlin: Sonnenallee, Aleppo-Zimmer und Iftar im Ramadan

Seit den 1970er-Jahren kamen Menschen aus dem Libanon, aus Palästina und später aus Syrien nach Berlin, und viele sind geblieben. Hier ist ihre Geschichte in Kürze, dazu die Orte, an denen du arabisches Berlin heute erlebst, und was du über Ramadan und Iftar wissen solltest.

Kieznah · Wer Berlin geprägt hat · Teil 4 · Lesezeit ca. 7 Minuten · Stand: Oktober 2026

3 Orte in diesem Artikel. Alle Orte auf der Kieznah-Karte

Ab 1975 kamen Geflüchtete aus dem libanesischen Bürgerkrieg nach West-Berlin

43.716 Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit in Berlin (30.06.2025)

Ramadan 2027 voraussichtlich ab 8. Februar, das genaue Datum hängt von der Mondsichtung ab

4. Juni 2027 das Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum öffnet wieder

Wie die Geschichte verlief

Arabisches Berlin ist keine einzelne Geschichte, sondern viele. Eine größere Zuwanderung begann mit dem Bürgerkrieg im Libanon ab 1975. Laut Berliner Zeitung kamen damals viele Geflüchtete mit der Interflug von Beirut nach Schönefeld und von dort über den Grenzübergang Friedrichstraße nach West-Berlin, darunter Libanesen und Palästinenser. Viele fanden in Nord-Neukölln eine Wohnung, damals ein günstiges Viertel nah an der Mauer.

Ab 2015 kamen viele Menschen auf der Flucht vor dem Krieg in Syrien nach Berlin, und sie haben die Stadt seitdem mitgeprägt. Laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg lebten am 30. Juni 2025 in Berlin 43.716 Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit, und 2025 bekamen 7.548 Syrerinnen und Syrer den deutschen Pass. Dazu kommen Menschen aus dem Irak, Ägypten, Marokko, Tunesien und vielen weiteren Ländern, mit eigenen Dialekten, Küchen und Geschichten.

Wo man das heute erlebt

01 Sonnenallee · Neukölln

vom U-Bahnhof Hermannplatz zu Fuß etwa 3 Minuten bis zum Anfang der Straße

Die Sonnenallee entstand um 1880 als Straße 84 im damaligen Rixdorf und heißt seit 1937 so. Heute nennen viele Anwohner sie auf Arabisch Schari al-Arab, die Straße der Araber: Bäckereien mit Süßgebäck, Gemüseläden und Imbisse reihen sich vom Hermannplatz Richtung Südosten. Am besten läuft man einfach ein Stück, probiert, was gut riecht, und nimmt sich Zeit.

02 Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum · Mitte

vom S-Bahnhof Hackescher Markt zu Fuß etwa 11 Minuten

Das Pergamonmuseum ist seit Oktober 2023 wegen der Sanierung geschlossen. Laut Stiftung Preußischer Kulturbesitz öffnen Nordflügel und Mittelbau am 4. Juni 2027 wieder, und das Museum für Islamische Kunst zeigt dann eine völlig neue Dauerausstellung in 25 Räumen über 1.400 Jahre Kulturgeschichte des Nahen und Mittleren Ostens, mit der Mschatta-Fassade, dem Aleppo-Zimmer und der Alhambra-Kuppel. Das Aleppo-Zimmer ist eine bemalte Holzvertäfelung aus einem Wohnhaus in Aleppo.

03 Pierre Boulez Saal und Barenboim-Said Akademie · Mitte

vom U-Bahnhof Hausvogteiplatz zu Fuß etwa 5 Minuten

Daniel Barenboim und der palästinensisch-amerikanische Literaturwissenschaftler Edward Said gründeten 1999 das West-Eastern Divan Orchestra, in dem junge Musikerinnen und Musiker aus Israel und arabischen Ländern zusammen spielen. Aus dieser Idee entstand in Berlin die Barenboim-Said Akademie, und ihr Konzertsaal, der ovale Pierre Boulez Saal nach Plänen von Frank Gehry, öffnete im März 2017 in einem früheren Kulissendepot der Staatsoper.

Ramadan und Iftar in Berlin

Im Fastenmonat Ramadan essen und trinken viele Musliminnen und Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts, und abends wird gemeinsam das Fasten gebrochen, beim Iftar. Ramadan 2027 beginnt voraussichtlich am 8. Februar und endet um den 8. März, danach folgt das Fest des Fastenbrechens. Das genaue Datum hängt von der Mondsichtung ab und wird von den Gemeinden kurz vorher bekannt gegeben. Manche Moscheegemeinden und Vereine laden im Ramadan zu offenen Iftar-Abenden ein, oft auch für Nachbarn und Gäste, die Termine stehen in deren eigenen Ankündigungen.

Gut zu wissen

  • Als Gast beim Iftar: pünktlich zum Sonnenuntergang da sein, mit dem Essen warten, bis das Fasten gebrochen wird, und eine kleine Süßigkeit oder Datteln mitzubringen, kommt fast immer gut an.
  • Halal: Ob ein Laden halal ist, sagen nur die Betreiber selbst, wir prüfen das nicht. Wer darauf achtet, fragt am besten direkt nach.
  • Weiter in Neukölln: Der Markt am Maybachufer und die Şehitlik-Moschee stehen in Teil 3: Türkisches Berlin, beide sind von der Sonnenallee aus gut zu Fuß erreichbar.
Teil 4 der Serie "Wer Berlin geprägt hat". Wir schreiben über Orte und Geschichte, nicht über eine Gruppe als Ganzes. Geschichte nach Berliner Zeitung (Fluchtweg über Schönefeld), tip Berlin und taz (Sonnenallee), Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Pergamonmuseum, Pressemitteilung Mai 2026) und Pierre Boulez Saal. Ramadan-Daten sind eine Vorausberechnung. Zahlen laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Gehzeiten aus OpenStreetMap-Daten, Stand Oktober 2026. Keine bezahlten Erwähnungen.