Abseits
Geheime Gärten: Berlins grüne Verstecke
Den Tiergarten kennt jeder, und am Wochenende kennt ihn auch jeder gleichzeitig. Berlin hat aber kleinere Gärten, in die man über eine Treppe hinabsteigt, hinter einer Mauer verschwindet oder zwischen alten Grabsteinen Tomaten findet. Sieben davon stellen wir hier vor, alle mit der BVG erreichbar und die meisten ohne Eintritt.
Immer offen Körnerpark, Schlosspark Biesdorf; Schlosspark Schönhausen bis zur Dunkelheit
Mit Uhrzeit Comenius-Garten 12:30 bis 19:30 Uhr; Friedhöfe und Prinzessinnengarten ab 8 Uhr, Schluss je nach Monat zwischen 16 und 20 Uhr
Eintritt Gärten und Parks frei, nur Schloss Schönhausen kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro
Mit Café Körnerpark (Orangerie), Prinzessinnengarten (April bis Oktober)
Der Klassiker
Tiergarten am Sonntag
Groß, schön und mitten in der Stadt, an sonnigen Tagen aber voller Jogger, Radler und Grillgruppen.
Kieznah-Tipp
Erst Körnerpark, dann Comenius-Garten
Zwei Gärten in Neukölln, zehn Minuten Fußweg voneinander entfernt, und dazwischen liegt das Böhmische Dorf. Ein ganzer Nachmittag ohne Gedränge.
01 Körnerpark · Neukölln
vom S-Bahnhof Neukölln zu Fuß etwa 8 Minuten
Von der Straße aus siehst du fast nichts, erst an der Treppe öffnet sich der Blick: Der Park liegt mehrere Meter tiefer, in einer ehemaligen Kiesgrube, die der Unternehmer Franz Körner der Stadt schenkte, unter der Bedingung, dass der Park seinen Namen trägt. Blumenbeete und eine neobarocke Orangerie haben ihm im Kiez den Spitznamen „Sanssouci von Neukölln“ eingebracht. In der Orangerie sind ein Café und eine Galerie des Bezirks, für die vierte Staffel von „Babylon Berlin“ baute das Filmteam auf dem Platz davor eine Eisbahn auf. Der Park ist rund um die Uhr offen und kostet nichts. Er stand schon in unseren 12 Orten abseits, gehört aber in jede Liste über Berliner Gärten.
02 Comenius-Garten im Böhmischen Dorf · Neukölln
vom U-Bahnhof Karl-Marx-Straße zu Fuß etwa 7 Minuten, vom Körnerpark etwa 10 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Im 18. Jahrhundert siedelten sich in Rixdorf böhmische Glaubensflüchtlinge an, ihr Dorf rund um die Richardstraße ist bis heute zu erkennen. Mittendrin liegt ein Garten, der einem Gedanken folgt: Der Philosoph und Pädagoge Johann Amos Comenius beschrieb im 17. Jahrhundert den Lebensweg eines Menschen in Stufen, und genau so ist der Garten angelegt, vom Walnussbaum für das Leben vor der Geburt über einen Pavillon für die Kindheit bis zu Fernrohr, Spiegel und Mikroskop für die Akademie. Dazu ein Teich, der „Weltmeer“ heißt, und ein Bach namens „Lebensquell“. Eingeweiht wurde der Garten 1995. Geöffnet ist täglich von 12:30 bis 19:30 Uhr, Richardstraße 35. Mehr zum Böhmischen Dorf im Kiez-Atlas und in Ringbahn Teil 2.
03 Prinzessinnengarten auf dem Friedhof · Neukölln
vom S- und U-Bahnhof Hermannstraße zu Fuß etwa 4 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Der Prinzessinnengarten begann 2009 als mobiler Gemüsegarten auf einer Brache am Moritzplatz. Seit 2020 gärtnert das Prinzessinnengarten Kollektiv auf einem Teil des Neuen St.-Jacobi-Friedhofs an der Hermannstraße, 7,5 Hektar zwischen alten Grabfeldern, Bäumen und Hochbeeten. Das klingt seltsam und ist doch einer der friedlichsten Orte der Stadt. Von April bis Oktober gibt es ein Café, dazu Führungen, Workshops und einen Hofladen. Der Garten öffnet ab 8 Uhr und schließt je nach Monat zwischen 16 und 20 Uhr, im Oktober um 18 Uhr, aktuelle Zeiten beim Garten-Kollektiv. Der alte Standort am Moritzplatz besteht als inklusiver Gemeinschaftsgarten weiter.
04 Friedhöfe vor dem Halleschen Tor · Kreuzberg
vom U-Bahnhof Mehringdamm zu Fuß etwa 4 Minuten bis zum Eingang Mehringdamm 21
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Ein paar Schritte vom Trubel am Mehringdamm, wo vor dem Imbiss die Schlange steht, liegt eines der stillsten Areale Kreuzbergs. Die Friedhöfe gehen auf einen Armenfriedhof von 1735 zurück, der damals vor den Toren der Stadt lag. Hier ruhen unter anderen der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Schwester Fanny Hensel, die Dichter E.T.A. Hoffmann und Adelbert von Chamisso und der Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Wer ohne Ziel durch die Reihen geht, findet efeuüberwachsene Grabmäler, Bänke und ganz viel Ruhe. Zeiten beim Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte (evfbs.de).
05 Dorotheenstädtischer Friedhof · Mitte
vom U-Bahnhof Naturkundemuseum zu Fuß etwa 5 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Mitten in Mitte, hinter der Chausseestraße 126, stehen die Grabsteine von Schinkel, Schadow, Fichte, Hegel, Bertolt Brecht und Helene Weigel dicht beieinander. Brecht wohnte in seinen letzten Jahren gleich nebenan, sein Haus am Rand des Friedhofs ist heute Gedenkstätte und Archiv. Der Friedhof öffnet um 8 Uhr und schließt je nach Monat zwischen 16 Uhr (Dezember und Januar) und 20 Uhr (Mai bis August). Ein guter Ort für zwanzig stille Minuten zwischen zwei Museen. Und wer danach noch einen Friedhof mit Café sucht: Der Alte St.-Matthäus-Kirchhof mit den Gräbern der Brüder Grimm steht in unseren 12 weiteren Orten abseits.
06 Schlosspark Schönhausen · Pankow
von der Tram-Haltestelle Grabbeallee/Pastor-Niemöller-Platz (M1) zu Fuß etwa 10 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Das Schloss kennen die wenigsten, den Park dahinter noch weniger. Der Garten entstand vor über 300 Jahren, Peter Joseph Lenné formte ihn zwischen 1827 und 1829 zum Landschaftspark und heute umfasst er rund 30 Hektar. 1949, als die DDR-Führung das Schloss als Amtssitz nutzte, teilte eine Mauer den Park in zwei Bereiche, und diese Gliederung prägt ihn bis heute. Der Park ist täglich bis zum Einbruch der Dunkelheit offen und kostet nichts. Ins Schloss mit seinen Räumen aus Barock und DDR-Zeit kommst du von April bis Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17:30 Uhr, von November bis März nur am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr, für 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Geschichte des Schlosses mehr in den 12 weiteren Orten abseits.
07 Schlosspark Biesdorf · Marzahn-Hellersdorf
vom S-Bahnhof Biesdorf zu Fuß etwa 9 Minuten, vom U-Bahnhof Elsterwerdaer Platz etwa 10 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Ein Schloss in Marzahn-Hellersdorf? Ja, und ein schönes: eine Villa von 1868, entworfen von Heino Schmieden, später im Besitz der Familie Siemens. Wilhelm von Siemens ließ den Park erweitern, den der Landschaftsarchitekt Alfred Brodersen im englischen Stil anlegte. Der Park ist jederzeit begehbar, im Schloss gibt es wechselnde Ausstellungen, und die Schau zur Geschichte des Hauses ist frei zugänglich (Schloss mittwochs bis montags ab 10 Uhr, freitags ab 12 Uhr, dienstags geschlossen). Mit der U5 bist du in etwa 20 Minuten aus der Innenstadt da, ein Ausflug, auf den kaum ein Besucher kommt.
Gut zu wissen
Auf Friedhöfen gilt: leise sein, keine Picknickdecke zwischen den Gräbern und Fotos von Trauernden lassen. Im Prinzessinnengarten bist du Gast in einem Gemeinschaftsprojekt, die Beete gehören allen und werden nicht abgeerntet. Im Herbst und Winter schließen Friedhöfe und Prinzessinnengarten früh, im Dezember schon um 16 Uhr. Wer noch mehr Grün mit Geschichte sucht, findet den Natur-Park Südgelände auf einem alten Rangierbahnhof in den 12 weiteren Orten abseits und Ideen für den freien Tag in Sonntag in Berlin.