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Kieznah.

Wer Berlin geprägt hat · Teil 7

Polnisches Berlin: vom Polenprozess bis zum Polenmarkt

Polen ist Berlins nächster Nachbar, und die gemeinsame Geschichte reicht vom Polenprozess 1847 über den Überfall 1939 bis zum Polenmarkt am Potsdamer Platz. Hier sind die Orte, an denen du an diese Geschichte erinnert wirst und an denen polnische Kultur heute lebt.

Kieznah · Wer Berlin geprägt hat · Teil 7 · Lesezeit ca. 7 Minuten · Stand: Oktober 2026

4 Orte in diesem Artikel. Alle Orte auf der Kieznah-Karte

1847 Polenprozess in Berlin, im März 1848 kommen die Verurteilten frei

1989 und 1990 Polenmarkt auf der Brache am Potsdamer Platz

51.404 Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit in Berlin (30.06.2025)

Seit 2025 ein Gedenkort für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs im Tiergarten

Nachbarn mit einer langen Geschichte

Polen und Berlin verbindet eine lange, oft schwere Geschichte. Nach den Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhunderts lebten viele Polen unter preußischer Herrschaft, und Berlin war ihre Hauptstadt. 1847 standen hier im sogenannten Polenprozess 254 Angeklagte vor Gericht, die einen Aufstand im Großherzogtum Posen vorbereitet haben sollten. Acht von ihnen, darunter Ludwik Mierosławski, wurden zum Tod verurteilt und im Gefängnis Moabit festgehalten. In der Märzrevolution 1848 kamen sie durch eine Amnestie frei und schlossen sich der Revolution an.

Das dunkelste Kapitel begann am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. Mehr als fünf Millionen Polinnen und Polen kamen im Zweiten Weltkrieg und unter der deutschen Besatzung ums Leben. Nach dem Krieg trennte die Mauer auch hier: Im Osten gab es offizielle Freundschaft zwischen DDR und Volksrepublik, in West-Berlin entstand ab 1989 auf der Brache am Potsdamer Platz der Polenmarkt, als Polinnen und Polen plötzlich frei reisen durften und Tausende mit Bussen und Autos zum Handeln kamen. Ende 1990 löste er sich wieder auf. Heute leben laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 51.404 Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit in Berlin, dazu viele Berlinerinnen und Berliner mit polnischen Wurzeln.

Orte der Erinnerung und der Kultur

01 Gedenkort für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs · Tiergarten

vom U-Bahnhof Bundestag zu Fuß etwa 7 Minuten

Auf dem Gelände der früheren Kroll-Oper gegenüber dem Reichstag verkündete Hitler am 1. September 1939 den Krieg gegen Polen. Genau dort steht seit 2025 ein vorläufiger Gedenkort für die mehr als fünf Millionen polnischen Opfer des Krieges und der Besatzung. Am 3. Dezember 2025 beschloss der Bundestag, ein dauerhaftes Denkmal zu errichten, über die Gestaltung soll ein Wettbewerb unter Beteiligung polnischer Fachleute entscheiden.

02 Denkmal des polnischen Soldaten und des deutschen Antifaschisten · Prenzlauer Berg

von der Tram-Haltestelle Kniprodestraße/Danziger Straße zu Fuß etwa 8 Minuten

Im Volkspark Friedrichshain steht seit dem 14. Mai 1972 ein Denkmal, das die DDR und Polen gemeinsam errichten ließen, entworfen von Arnd Wittig und Zofia Wołska. Ursprünglich ehrte es den gemeinsamen Kampf polnischer und deutscher Kommunisten gegen den Nationalsozialismus, seit 1995 ist es allen Widerstandskämpfern und Soldaten gewidmet. Bis heute ist es das wichtigste Denkmal in Deutschland für die polnischen Soldaten des Zweiten Weltkriegs.

03 Polnisches Institut · Mitte

vom S-Bahnhof Hackescher Markt zu Fuß etwa 3 Minuten

An der Burgstraße 27 gegenüber der Museumsinsel zeigt das Polnische Institut Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Filme aus Polen. Es veranstaltet auch filmPOLSKA, nach eigenen Angaben das größte polnische Filmfestival in Deutschland, zuletzt im September 2025 zum 20. Mal. Das aktuelle Programm steht auf der Website.

04 Pilecki-Institut am Pariser Platz · Mitte

vom S- und U-Bahnhof Brandenburger Tor zu Fuß etwa 3 Minuten

Direkt am Brandenburger Tor erinnert das Pilecki-Institut an Witold Pilecki, einen polnischen Offizier, der sich 1940 freiwillig nach Auschwitz deportieren ließ, um dort Widerstand zu organisieren und über die Verbrechen zu berichten. Seit September 2024 zeigt das Institut eine Dauerausstellung über ihn. Öffnungszeiten und Veranstaltungen stehen auf der Website.

Gut zu wissen

  • An Gedenkorten: leise sein, nicht auf Denkmäler steigen, Fotos ohne Posen. An Gedenktagen kann die Polizei den Bereich am Gedenkort im Tiergarten einschränken, wie zuletzt am 17. Juni 2026.
  • Ein Spaziergang: Vom Pilecki-Institut am Brandenburger Tor zum Gedenkort an der früheren Kroll-Oper ist es nicht weit, unterwegs liegt das Sowjetische Ehrenmal, und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas ist gleich um die Ecke, mehr in Teil 5 und Teil 1.
Teil 7 der Serie "Wer Berlin geprägt hat". Wir schreiben über Orte und Geschichte und verzichten auf politische Wertungen. Geschichte nach Porta Polonica und Institut für Zeitgeschichte (Polenmarkt), Deutscher Bundestag (Gedenkort, Beschluss vom 3. Dezember 2025), Bezirksamt Pankow (Denkmal im Volkspark Friedrichshain), Polnischem Institut und Pilecki-Institut. Zahl laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Gehzeiten aus OpenStreetMap-Daten, Stand Oktober 2026. Keine bezahlten Erwähnungen.