Wer Berlin geprägt hat · Teil 8
Italienisches Berlin: vom ersten Anwerbeabkommen bis zur Renaissance auf der Museumsinsel
Mit Italien begann 1955 die Anwerbung von Arbeitskräften, und seit 2008 ist eine neue Generation junger Italienerinnen und Italiener nach Berlin gezogen. Hier ist die Geschichte in Kürze, dazu ein Botschaftsgebäude mit schwerer Vergangenheit und zwei Museen, in denen Italien mitten in Berlin liegt.
20. Dezember 1955 das erste deutsche Anwerbeabkommen, unterzeichnet in Rom mit Italien
33.822 Menschen mit italienischer Staatsangehörigkeit in Berlin (30.06.2025)
Seit 1999 und 2000 ist das wiederhergestellte Gebäude an der Tiergartenstraße wieder Italiens Botschaft
Unter 18 frei in der Gemäldegalerie und im Bode-Museum mit ihren italienischen Sammlungen
Von den Gastarbeitern zur neuen Generation
Mit Italien schloss die Bundesrepublik am 20. Dezember 1955 in Rom ihr erstes Anwerbeabkommen, 1956 kamen die ersten italienischen Saisonarbeiter nach Deutschland. Gedacht war das Abkommen als Rotation, die Arbeitskräfte sollten nach einiger Zeit zurückkehren, doch viele blieben und gründeten Familien. Die ehemaligen Gastarbeiter und ihre Nachkommen stellen laut Forschung bis heute den größten Teil der Menschen italienischer Herkunft in Deutschland.
Berlin hat eine eigene, jüngere italienische Geschichte. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 zogen viele junge Italienerinnen und Italiener in die Stadt, zum Studieren, für Kunst und Kultur oder für einen Neuanfang, und laut einer Tagung der Freien Universität Berlin hatte sich ihre offizielle Zahl bis 2016 innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Heute leben laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 33.822 Menschen mit italienischer Staatsangehörigkeit in Berlin.
Wo man das heute erlebt
01 Italienische Botschaft und Italienisches Kulturinstitut · Tiergarten
von der Gemäldegalerie zu Fuß etwa 7 Minuten, vom S- und U-Bahnhof Potsdamer Platz etwa 17 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Der Palazzo an der Tiergartenstraße hat eine schwere Geschichte. Er entstand ab Oktober 1938 nach Plänen von Friedrich Hetzelt im neuen Diplomatenviertel, das Albert Speer für die Verbündeten des NS-Regimes vorgesehen hatte, und laut berlin.de mussten zuvor 80 Zwangsarbeiter sechs Villen abreißen. Im Krieg wurde das Gebäude schwer beschädigt. 1999 und 2000 ließ Italien es nach Plänen von Vittorio de Feo wiederherstellen, seitdem ist es wieder die Botschaft. Im selben Gebäude, mit Eingang an der Hildebrandstraße 2, zeigt das Italienische Kulturinstitut Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Filme und bietet Italienischkurse an. Für viele Veranstaltungen ist eine Anmeldung nötig.
02 Gemäldegalerie am Kulturforum · Tiergarten
vom S- und U-Bahnhof Potsdamer Platz zu Fuß etwa 13 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Italien gehört zu den Schwerpunkten der Gemäldegalerie, mit Werken von Raffael, Tizian und Caravaggio neben den großen niederländischen und deutschen Meistern. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen, unter 18 Jahren ist der Eintritt frei. Die aktuellen Preise stehen bei den Staatlichen Museen.
03 Bode-Museum · Mitte
vom S-Bahnhof Oranienburger Straße zu Fuß etwa 7 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
An der Spitze der Museumsinsel zeigt die Skulpturensammlung italienische Bildhauerei vom Mittelalter bis zur Renaissance. Grundstock waren unter anderem Ankäufe in Venedig und Florenz 1841 und 1842, darunter eine Büste von Desiderio da Settignano. Laut Museumsportal ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet, montags geschlossen.
Gut zu wissen
- Botschaft nur von außen: Das Botschaftsgebäude ist kein Museum. Fotos von der Straße sind in Ordnung, den Sicherheitsdienst bitte nicht behindern.
- Kulturforum kombinieren: Gemäldegalerie und Botschaft liegen nur wenige Minuten auseinander, gleich nebenan stehen die Philharmonie und die Neue Nationalgalerie.
- Essen: Italienische Küche gibt es in fast jedem Kiez, Restaurant-Tipps aus der ganzen Stadt stehen in Wo Berliner essen.