Wer Berlin geprägt hat · Teil 1
Die Alliierten in Berlin: Sektoren, Kasernen und Orte, die davon erzählen
Fast 50 Jahre lang lebten Amerikaner, Briten, Franzosen und Sowjets in Berlin, mit Kasernen, Kinos, Flughäfen und Hauptquartieren. Vieles davon steht noch. Hier ist, wer welchen Teil der Stadt hatte und wo du die Geschichte heute sehen kannst, in drei Museen sogar ohne Eintritt.
Vier Sektoren ab Sommer 1945, die Grenzen folgten den alten Bezirksgrenzen
Luftbrücke Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949
Abzug 1994, fast 50 Jahre nach der Ankunft
Eintritt frei AlliiertenMuseum, Museum Berlin-Karlshorst, Militärhistorisches Museum Gatow
Wer welchen Sektor hatte
Am 1. Juli 1945 trafen die ersten amerikanischen und britischen Truppen in Berlin ein, die Rote Armee war schon seit April in der Stadt. Laut Landesdenkmalamt bekamen die Amerikaner Neukölln, Kreuzberg, Tempelhof, Schöneberg, Steglitz und Zehlendorf, die Briten Charlottenburg, Spandau, Tiergarten und Wilmersdorf. Die Franzosen übernahmen am 12. August 1945 Wedding und Reinickendorf, die Sowjets behielten den Osten mit Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Pankow, Weißensee, Lichtenberg, Treptow und Köpenick. Gemeinsam regierten die vier Stadtkommandanten in der Alliierten Kommandantur in Dahlem.
Aus der gemeinsamen Verwaltung wurde bald eine geteilte Stadt. Als die Sowjetunion ab Juni 1948 alle Land- und Wasserwege nach West-Berlin sperrte, versorgten Amerikaner und Briten die Westsektoren über die Luftbrücke, bis die Blockade im Mai 1949 endete. Mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 endeten die Sonderrechte, 1994 zogen alle vier ab: Die Westalliierten verabschiedeten sich im Juni mit einer gemeinsamen Parade, die russischen Truppen Ende August.
Wo man das heute sieht
01 AlliiertenMuseum und die Clayallee · Dahlem
vom U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim zu Fuß etwa 10 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Das Museum steckt im früheren Kino Outpost an der Clayallee 135, das die US-Armee 1953 für ihre Soldaten bauen ließ. Über 900 Plätze hatte der Saal, und er war ausschließlich amerikanischem Militärpersonal vorbehalten. Heute erzählt die Ausstellung von der Besatzungszeit, der Luftbrücke und dem Kalten Krieg, draußen stehen Großobjekte. Geöffnet ist laut Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, die Großobjekte von 11 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei. Ein paar Hundert Meter weiter, an der Clayallee 170/172, lag von 1945 bis 1994 das Hauptquartier der US-Streitkräfte, benannt nach General Lucius D. Clay, der als Initiator der Luftbrücke gilt. Das Gebäude sieht man nur von außen.
02 Flughafen Tempelhof und Luftbrückendenkmal · Tempelhof
vom U-Bahnhof Platz der Luftbrücke zu Fuß etwa 4 Minuten zum Denkmal
Von 1945 bis 1994 war Tempelhof der Militärflughafen der US-Luftwaffe in Berlin, und während der Blockade landeten hier die Versorgungsflugzeuge. Vor dem Flughafengebäude steht das Luftbrückendenkmal: Seine drei Streben stehen für die drei Luftkorridore nach West-Berlin, am Sockel stehen die Namen der Menschen, die bei der Luftbrücke ums Leben kamen. Dahinter beginnt das Tempelhofer Feld, mehr dazu in der Ringbahn-Serie, Teil 2.
03 Militärhistorisches Museum Flugplatz Gatow · Kladow
laut Museum mit dem Bus 135 bis Kurpromenade oder Seekorso, dann etwa 10 Minuten zu Fuß
Route in Google Maps · Offizielle Seite
Am 2. Juli 1945 übernahm die britische Royal Air Force den Flugplatz Gatow im Südwesten Spandaus, und während der Blockade war er neben Tempelhof der wichtigste Flughafen für die Versorgung der Westsektoren. Heute ist hier eine Außenstelle des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr mit Tower, Hangars und Flugzeugen. Laut Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei, und sonntags um 14 Uhr gibt es eine kostenlose Führung ab dem Tower. Schön zu verbinden mit der BVG-Fähre F10 von Wannsee nach Kladow, mehr in Berlin vom Wasser.
04 Museum Berlin-Karlshorst · Karlshorst
vom S-Bahnhof Karlshorst zu Fuß etwa 17 Minuten
Route in Google Maps · Offizielle Seite
In der früheren Pionierschule an der Zwieseler Straße 4 richtete die Rote Armee im April 1945 ihr Hauptquartier ein, später saß hier die Sowjetische Militäradministration in Deutschland. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 wurde in diesem Haus die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet, der Saal ist Teil der Ausstellung. Das Museum erzählt vom Krieg im Osten und von der Zeit danach. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei.
05 Sowjetisches Ehrenmal im Tiergarten · Tiergarten
vom S-Bahnhof Brandenburger Tor zu Fuß etwa 10 Minuten
Das erste große Ehrenmal nach dem Krieg wurde schon am 11. November 1945 eingeweiht, an der Straße des 17. Juni nahe Reichstag und Brandenburger Tor. Laut Landesdenkmalamt liegen im hinteren Teil der Anlage die Gräber von 2.500 sowjetischen Soldaten. Es ist ein Friedhof und ein Ort der Trauer, kein Fotomotiv für Späße. Ein weiteres, noch größeres Ehrenmal steht im Treptower Park, mehr in der Ringbahn-Serie, Teil 2.
Briten und Franzosen im Stadtbild
Die Briten verlegten ihr Hauptquartier 1952 vom Fehrbelliner Platz in das frühere Deutsche Sportforum neben dem Olympiastadion, mehr zum Gelände in Olympiastadion Berlin. Die Franzosen hatten ihr Hauptquartier von 1945 bis 1994 im Quartier Napoléon im Wedding, einer früheren Luftwaffenkaserne am Kurt-Schumacher-Damm, zu der eine eigene Kirche und ein Kino gehörten. Heute ist dort die Julius-Leber-Kaserne der Bundeswehr, das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich.
Gut zu wissen
- An Gedenkorten: leise sein, nicht auf Gräber oder Denkmäler klettern, keine Selfies mit Späßen. Das gilt am Ehrenmal im Tiergarten genauso wie in Treptow.
- Drei Museen, kein Eintritt: AlliiertenMuseum, Museum Karlshorst und Gatow kosten nichts, montags sind alle drei geschlossen.
- Mehr Kalter Krieg: Checkpoint Charlie und die Gedenkstätte an der Bernauer Straße stehen in Statt X, lieber Y, die Glienicker Brücke in Babelsberg.