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Kieznah.

Wer Berlin geprägt hat · Teil 1

Die Alliierten in Berlin: Sektoren, Kasernen und Orte, die davon erzählen

Fast 50 Jahre lang lebten Amerikaner, Briten, Franzosen und Sowjets in Berlin, mit Kasernen, Kinos, Flughäfen und Hauptquartieren. Vieles davon steht noch. Hier ist, wer welchen Teil der Stadt hatte und wo du die Geschichte heute sehen kannst, in drei Museen sogar ohne Eintritt.

Kieznah · Wer Berlin geprägt hat · Teil 1 · Lesezeit ca. 7 Minuten · Stand: Oktober 2026

5 Orte in diesem Artikel. Alle Orte auf der Kieznah-Karte

Vier Sektoren ab Sommer 1945, die Grenzen folgten den alten Bezirksgrenzen

Luftbrücke Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949

Abzug 1994, fast 50 Jahre nach der Ankunft

Eintritt frei AlliiertenMuseum, Museum Berlin-Karlshorst, Militärhistorisches Museum Gatow

Wer welchen Sektor hatte

Am 1. Juli 1945 trafen die ersten amerikanischen und britischen Truppen in Berlin ein, die Rote Armee war schon seit April in der Stadt. Laut Landesdenkmalamt bekamen die Amerikaner Neukölln, Kreuzberg, Tempelhof, Schöneberg, Steglitz und Zehlendorf, die Briten Charlottenburg, Spandau, Tiergarten und Wilmersdorf. Die Franzosen übernahmen am 12. August 1945 Wedding und Reinickendorf, die Sowjets behielten den Osten mit Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Pankow, Weißensee, Lichtenberg, Treptow und Köpenick. Gemeinsam regierten die vier Stadtkommandanten in der Alliierten Kommandantur in Dahlem.

Aus der gemeinsamen Verwaltung wurde bald eine geteilte Stadt. Als die Sowjetunion ab Juni 1948 alle Land- und Wasserwege nach West-Berlin sperrte, versorgten Amerikaner und Briten die Westsektoren über die Luftbrücke, bis die Blockade im Mai 1949 endete. Mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 endeten die Sonderrechte, 1994 zogen alle vier ab: Die Westalliierten verabschiedeten sich im Juni mit einer gemeinsamen Parade, die russischen Truppen Ende August.

Wo man das heute sieht

01 AlliiertenMuseum und die Clayallee · Dahlem

vom U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim zu Fuß etwa 10 Minuten

Das Museum steckt im früheren Kino Outpost an der Clayallee 135, das die US-Armee 1953 für ihre Soldaten bauen ließ. Über 900 Plätze hatte der Saal, und er war ausschließlich amerikanischem Militärpersonal vorbehalten. Heute erzählt die Ausstellung von der Besatzungszeit, der Luftbrücke und dem Kalten Krieg, draußen stehen Großobjekte. Geöffnet ist laut Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, die Großobjekte von 11 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei. Ein paar Hundert Meter weiter, an der Clayallee 170/172, lag von 1945 bis 1994 das Hauptquartier der US-Streitkräfte, benannt nach General Lucius D. Clay, der als Initiator der Luftbrücke gilt. Das Gebäude sieht man nur von außen.

02 Flughafen Tempelhof und Luftbrückendenkmal · Tempelhof

vom U-Bahnhof Platz der Luftbrücke zu Fuß etwa 4 Minuten zum Denkmal

Von 1945 bis 1994 war Tempelhof der Militärflughafen der US-Luftwaffe in Berlin, und während der Blockade landeten hier die Versorgungsflugzeuge. Vor dem Flughafengebäude steht das Luftbrückendenkmal: Seine drei Streben stehen für die drei Luftkorridore nach West-Berlin, am Sockel stehen die Namen der Menschen, die bei der Luftbrücke ums Leben kamen. Dahinter beginnt das Tempelhofer Feld, mehr dazu in der Ringbahn-Serie, Teil 2.

03 Militärhistorisches Museum Flugplatz Gatow · Kladow

laut Museum mit dem Bus 135 bis Kurpromenade oder Seekorso, dann etwa 10 Minuten zu Fuß

Am 2. Juli 1945 übernahm die britische Royal Air Force den Flugplatz Gatow im Südwesten Spandaus, und während der Blockade war er neben Tempelhof der wichtigste Flughafen für die Versorgung der Westsektoren. Heute ist hier eine Außenstelle des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr mit Tower, Hangars und Flugzeugen. Laut Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei, und sonntags um 14 Uhr gibt es eine kostenlose Führung ab dem Tower. Schön zu verbinden mit der BVG-Fähre F10 von Wannsee nach Kladow, mehr in Berlin vom Wasser.

04 Museum Berlin-Karlshorst · Karlshorst

vom S-Bahnhof Karlshorst zu Fuß etwa 17 Minuten

In der früheren Pionierschule an der Zwieseler Straße 4 richtete die Rote Armee im April 1945 ihr Hauptquartier ein, später saß hier die Sowjetische Militäradministration in Deutschland. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 wurde in diesem Haus die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet, der Saal ist Teil der Ausstellung. Das Museum erzählt vom Krieg im Osten und von der Zeit danach. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

05 Sowjetisches Ehrenmal im Tiergarten · Tiergarten

vom S-Bahnhof Brandenburger Tor zu Fuß etwa 10 Minuten

Das erste große Ehrenmal nach dem Krieg wurde schon am 11. November 1945 eingeweiht, an der Straße des 17. Juni nahe Reichstag und Brandenburger Tor. Laut Landesdenkmalamt liegen im hinteren Teil der Anlage die Gräber von 2.500 sowjetischen Soldaten. Es ist ein Friedhof und ein Ort der Trauer, kein Fotomotiv für Späße. Ein weiteres, noch größeres Ehrenmal steht im Treptower Park, mehr in der Ringbahn-Serie, Teil 2.

Briten und Franzosen im Stadtbild

Die Briten verlegten ihr Hauptquartier 1952 vom Fehrbelliner Platz in das frühere Deutsche Sportforum neben dem Olympiastadion, mehr zum Gelände in Olympiastadion Berlin. Die Franzosen hatten ihr Hauptquartier von 1945 bis 1994 im Quartier Napoléon im Wedding, einer früheren Luftwaffenkaserne am Kurt-Schumacher-Damm, zu der eine eigene Kirche und ein Kino gehörten. Heute ist dort die Julius-Leber-Kaserne der Bundeswehr, das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich.

Gut zu wissen

  • An Gedenkorten: leise sein, nicht auf Gräber oder Denkmäler klettern, keine Selfies mit Späßen. Das gilt am Ehrenmal im Tiergarten genauso wie in Treptow.
  • Drei Museen, kein Eintritt: AlliiertenMuseum, Museum Karlshorst und Gatow kosten nichts, montags sind alle drei geschlossen.
  • Mehr Kalter Krieg: Checkpoint Charlie und die Gedenkstätte an der Bernauer Straße stehen in Statt X, lieber Y, die Glienicker Brücke in Babelsberg.
Teil 1 der Serie "Wer Berlin geprägt hat". Geschichte und Gebäude nach dem Landesdenkmalamt Berlin (Denkmale der Alliierten), Öffnungszeiten und Eintritt laut AlliiertenMuseum, Museum Berlin-Karlshorst und Militärhistorischem Museum Gatow, Stand Oktober 2026. Daten zum Abzug 1994 nach Presseberichten. Gehzeiten aus OpenStreetMap-Daten. Keine bezahlten Erwähnungen.