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Kieznah.

Wer Berlin geprägt hat · Teil 9

Ukrainisches Berlin: von Lesja Ukrajinka bis zum Ukrainischen Institut

Ukrainisches Berlin ist viel älter, als die meisten denken: Eine Dichterin lebte hier 1899, eine Botschaft gab es schon 1918, ein wissenschaftliches Institut ab 1926. Hier sind die Orte, an denen du diese Geschichte findest, und wo ukrainische Kultur heute in Berlin zu Hause ist.

Kieznah · Wer Berlin geprägt hat · Teil 9 · Lesezeit ca. 6 Minuten · Stand: Oktober 2026

4 Orte in diesem Artikel. Alle Orte auf der Kieznah-Karte

1899 lebte die Dichterin Lesja Ukrajinka fast ein halbes Jahr in Berlin

1918 bis 1923 hatte die Ukrainische Volksrepublik eine Botschaft in Berlin

1926 bis 1945 bestand das Ukrainische Wissenschaftliche Institut

71.838 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit in Berlin (30.06.2025), die zweitgrößte Gruppe

Eine lange, wenig bekannte Geschichte

Ukrainisches Berlin beginnt nicht 2022, es reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. 1899 kam die Dichterin Lesja Ukrajinka für eine Operation bei dem Chirurgen Ernst von Bergmann nach Berlin und lebte fast ein halbes Jahr in einer Pension an der Johannisstraße. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Ukrainische Volksrepublik von 1918 bis 1923 eine Botschaft in Berlin, und in den 1920er-Jahren wurde die Stadt zu einem Zentrum der ukrainischen Emigration. 1926 entstand das Ukrainische Wissenschaftliche Institut, erster Direktor war der Historiker Dmytro Doroschenko, es bestand bis 1945.

Zur Geschichte gehört auch die dunkle Seite: Im Zweiten Weltkrieg mussten in Berlin viele aus der Ukraine verschleppte Menschen Zwangsarbeit leisten. Seit 2022 sind viele Menschen vor dem Krieg aus der Ukraine nach Berlin geflohen. Laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg lebten am 30. Juni 2025 in Berlin 71.838 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit, nach der türkischen die zweitgrößte Gruppe ohne deutschen Pass.

Wo man das heute sieht

01 Gedenktafel für Lesja Ukrajinka · Mitte

vom S-Bahnhof Oranienburger Straße zu Fuß etwa 2 Minuten

Lesja Ukrajinka, eigentlich Laryssa Kossatsch, gilt als eine der wichtigsten Dichterinnen der Ukraine. An der Johannisstraße 11 erinnert seit 2010 eine Granittafel an ihren Aufenthalt, laut Gedenktafel-Datenbank des Bezirks Mitte. Das Haus, in dem sie wohnte, steht nicht mehr, die Tafel hängt an einem späteren Gebäude.

02 Ukrainisches Institut in Deutschland · Mitte

vom S- und U-Bahnhof Friedrichstraße zu Fuß etwa 5 Minuten

Im März 2023 eröffnete das Ukrainische Institut in Berlin seine erste Vertretung im Ausland, heute sitzt es an der Friedrichstraße 95. Es zeigt ukrainische Kultur in Deutschland, mit Lesungen, Filmen, Konzerten und Gesprächen. Das aktuelle Programm steht auf der Website.

03 Gedenkstein für die Katastrophe von Tschornobyl · Mitte

vom U-Bahnhof Klosterstraße zu Fuß etwa 2 Minuten

An der Klosterstraße erinnert ein Gedenkstein an den Reaktorunfall von Tschornobyl am 26. April 1986. Laut Gedenktafel-Datenbank wurde er am 4. März 1990 eingeweiht, gestiftet vom Grünen Netzwerk arche, eine Tafel kam zum zehnten Jahrestag hinzu.

04 Ukrainische griechisch-katholische Pfarrei St. Nikolaus · Johannisthal

vom S-Bahnhof Schöneweide zu Fuß etwa 15 Minuten

Die Gemeinde feiert ihre Gottesdienste im byzantinischen Ritus als Gast in der katholischen Kirche St. Johannes Evangelist an der Waldstraße 11. Laut der Karte des Vereins Ukrainet ist sonntags um 9 und um 11 Uhr Gottesdienst. Es ist ein Ort des Gebets, Gäste sind willkommen, wenn sie sich ruhig verhalten.

Mehr Orte entdecken

Der Verein Ukrainet hat eine Karte mit mehr als 60 ukrainischen Orten in Berlin veröffentlicht, darunter Gedenktafeln für den Schauspieler Alexander Granach und den Filmregisseur Oleksandr Dowschenko, der Wohnort des Bildhauers Oleksandr Archipenko, Kirchen, Treffpunkte, Cafés und Restaurants. Die Gedenktafel für die erste Botschaft der Ukrainischen Volksrepublik steht laut Karte am Ludwig-Erhard-Ufer im Spreebogenpark.

Gut zu wissen

  • Schreibweisen: Viele Namen gibt es in mehreren Schreibweisen, etwa Tschornobyl und Tschernobyl oder Kyjiw und Kiew. Wir verwenden die ukrainische Form.
  • In der Kirche: Während des Gottesdienstes nicht fotografieren und Telefone lautlos stellen.
  • Mehr aus der Serie: Polnisches Berlin, unser Nachbar mit verwandter Geschichte, steht in Teil 7.
Teil 9 der Serie "Wer Berlin geprägt hat". Wir schreiben über Orte und Geschichte und verzichten bewusst auf Tagespolitik. Geschichte nach Encyclopedia of Ukraine (Ukrainisches Wissenschaftliches Institut), Gedenktafel-Datenbank des Bezirks Mitte (Lesja Ukrajinka, Tschornobyl), Ukrainischem Institut und der Karte "Ukrainische Orte in Berlin" des Vereins Ukrainet (2025). Zahl laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Gehzeiten aus OpenStreetMap-Daten, Stand Oktober 2026. Keine bezahlten Erwähnungen.