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Kieznah.

Am Wasser

Berlin vom Wasser: Neu-Venedig, Stralau und die BVG-Fähren

Berlin hat mehr Wasser, als die meisten Besucher ahnen, und das Schönste daran kostet kaum etwas. Mit dem normalen Nahverkehrsticket fährst du über den Wannsee, in Rahnsdorf rudert dich in der Saison ein Fährmann über die Spree, und am Stadtrand liegt eine Siedlung mit Kanälen und Brücken, die man am besten selbst mit dem Boot erkundet. Dazu zwei Uferwege im Osten, beide ab Ostkreuz.

Kieznah · Am Wasser · Lesezeit ca. 8 Minuten · Stand: Oktober 2026

Ticket Alle BVG-Fähren mit Fahrschein Berlin AB oder Deutschlandticket

Ganzjährig F10 Wannsee nach Kladow, F11 Baumschulenweg, F12 Grünau

Nur in der Saison F21 und F23 von Ostern bis Ende Oktober, Ruderfähre F24 nur am Wochenende (2026 bis 4. Oktober)

Zu Fuß am Wasser Halbinsel Stralau, Rummelsburger Bucht, beide ab Ostkreuz

Der Klassiker

Spreerundfahrt durch Mitte

Reichstag, Museumsinsel und Dom vom Wasser aus, mit Lautsprecheransage und vollem Deck.

Kieznah-Tipp

Die F10 nach Kladow

20 Minuten über den Wannsee für den Preis eines AB-Fahrscheins, an Schwanenwerder vorbei, drüben ein Dorf mit Promenade.

01 Neu-Venedig · Rahnsdorf

vom S-Bahnhof Wilhelmshagen (S3) zu Fuß etwa 27 Minuten

Ganz im Südosten, zwischen Müggelsee und Dämeritzsee an der Müggelspree, liegt eine Wohnsiedlung, die von Wasser durchzogen ist: fünf künstliche Kanäle, zusammen etwa fünf Kilometer lang, darüber 13 Brücken. Angelegt wurden die Kanäle ab 1926, zwei Jahre später wurde das Land in Wassergrundstücke aufgeteilt. Der Volksmund nannte die Gegend anfangs „Neu-Kamerun“, der Vergleich mit Venedig kam erst später. Gondeln gibt es keine, sie sind hier auch gar nicht zugelassen. Erkundet wird Neu-Venedig mit dem Kanu oder kleinen Booten, Verleihe gibt es in der Nähe. Von der Brücke aus siehst du schon viel, vom Wasser aus siehst du alles: Bootshäuser, Stege und Gärten, die bis ans Ufer reichen.

Ich war mit einem Ruderboot aus dem Verleih in Neu-Venedig unterwegs. Ein superschöner Ort, eine eigene Welt mit kleinen Gassen auf dem Wasser, tollen Häusern und Grundstücken, die man vom Boot aus sieht. Unterwegs kann man ein Restaurant anfahren und vom Steg aus eine Pause einlegen. Das Rudern geht echt auf die Muckis, ein richtiges Sporttraining. Und bei Hitze schützt dich auf dem Wasser keiner, also an Sonnenschutz denken. Am besten plant man den Tag nach dem Wetter, damit weder Hitze noch Regen den Spaß verderben.
Daniel

02 Halbinsel Stralau und die Stralauer Spitze · Friedrichshain

vom S-Bahnhof Ostkreuz zu Fuß etwa 28 Minuten bis zur Spitze, 27 Minuten bis zur Dorfkirche

Zwischen Spree und Rummelsburger See ragt eine schmale Halbinsel in den Fluss, eines der ältesten Siedlungsgebiete Berlins: erst Fischerdorf, dann Ausflugsort, dann Industriestandort, heute Wohngebiet. Die Dorfkirche wurde 1464 geweiht, ihr Turm neigt sich um etwa fünf Grad zur Seite. Ab 1574 feierten die Berliner hier am 24. August den Stralauer Fischzug, ein Volksfest mit zuletzt rund 70.000 Besuchern, bis es 1873 wegen zu wilder Feiern verboten wurde. Ein Uferweg von knapp drei Kilometern führt rund um die Halbinsel, vorbei am alten Flaschenturm. An der Spitze schaust du über die Spree hinüber zum Treptower Park, zur Insel der Jugend und zum Riesenrad im Spreepark.

03 Rummelsburger Bucht · Lichtenberg

vom S-Bahnhof Rummelsburg zu Fuß etwa 8 Minuten bis zum Paul-und-Paula-Ufer, von Ostkreuz etwa 9 Minuten

Auf der anderen Seite des Rummelsburger Sees führt ein Uferweg rund um die Bucht, mit Booten, Schilf und neuen Wohnhäusern. Das Paul-und-Paula-Ufer trägt den Namen des DEFA-Films von 1973. Wer beides verbinden will: vom Ostkreuz zur Bucht, am Wasser entlang und hinüber auf die Halbinsel Stralau. Mehr zur Bucht und zum Gedenkort Rummelsburg in Ringbahn Teil 2 und im Kiez-Atlas.

Die BVG-Fähren: übers Wasser mit dem normalen Ticket

Sechs Fährlinien gehören zum Berliner Nahverkehr. Es gilt ein Fahrschein für den Tarifbereich AB oder das Deutschlandticket, bei F10 und F21 reicht die Kurzstrecke nicht. Die Zeiten ändern sich mit der Saison, vor der Fahrt also in der BVG-Fahrinfo nachsehen.

F10 Wannsee nach Alt-Kladow

Die längste und beliebteste Linie: 4,4 Kilometer in etwa 20 Minuten über den Großen Wannsee und die Havel, vorbei an der Insel Schwanenwerder. Abfahrt am großen Dampferanleger nahe dem S-Bahnhof Wannsee, stündlich und das ganze Jahr, im Winter bis 19 Uhr. In Alt-Kladow wartet eine Promenade mit Restaurants. Rundfahrten sind nicht erlaubt, du steigst aus und nimmst die nächste Fähre zurück. Mehr in Statt X, lieber Y.

F11 Baumschulenstraße nach Wilhelmstrand

vom S-Bahnhof Baumschulenweg zu Fuß etwa 8 Minuten zum Anleger

Zwei Minuten über die Spree nach Oberschöneweide, ganzjährig alle 10 bis 20 Minuten. Die Verbindung geht auf die Gewerbeausstellung von 1896 zurück. Als nebenan eine Brücke gebaut wurde, sollte die Fähre wegfallen, Proteste der Fahrgäste haben sie gerettet.

F12 Grünau nach Wendenschloss

Von der Wassersportallee in Grünau zur Müggelbergallee in Wendenschloss, zwei Minuten über die Dahme, ganzjährig. Praktisch für eine Runde zu Fuß an beiden Ufern der Dahme.

F21 Schmöckwitz nach Krampenburg

Sieben Minuten von der Haltestelle Zum Seeblick hinüber zur Halbinsel Krampenburg, halbstündlich, dienstags bis sonntags in der Saison. Die beginnt am Karfreitag oder am ersten Samstag im April, je nachdem, was früher liegt, und endet am letzten Sonntag im Oktober oder mit den Berliner Herbstferien, je nachdem, was später liegt.

F23 Müggelwerderweg nach Kruggasse

Anleger Kruggasse vom S-Bahnhof Rahnsdorf zu Fuß etwa 38 Minuten

Die kleine Rundreise unter den Fähren: rund 25 Minuten über die Müggelspree mit Halt an Müggelhort und Neu-Helgoland, stündlich in derselben Saison wie die F21, dienstags bis sonntags. Endstation ist das alte Fischerdorf Rahnsdorf, von dort ist es nicht weit nach Neu-Venedig.

F24 Die Ruderfähre in Rahnsdorf

Unser Liebling: Ein Fährmann rudert dich in etwa fünf Minuten zwischen den Spreewiesen und der Kruggasse über die Müggelspree, im Boot „Paule III“ mit Platz für acht Personen. Sie gilt als die einzige Ruderfähre Deutschlands im Linienverkehr eines Verkehrsunternehmens (mehr zur Geschichte der Berliner Fähren bei Wikipedia). Einen Fährmann gibt es in Rahnsdorf seit 1911, nach einer Pause brachte eine Petition die Fähre 2015 zurück. Sie fährt nur an Wochenenden und Feiertagen in der Saison, 2026 samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr bis zum 4. Oktober. Für dieses Jahr ist sie also vorbei, im Frühjahr geht es wieder los.

Gut zu wissen

Auf dem Wasser gibt es keinen Schatten, im Sommer also Sonnenschutz und Wasser mitnehmen. Wer mit dem Kanu oder Ruderboot unterwegs ist, behält auf der Müggelspree die Ausflugsschiffe und Fähren im Blick. Ein ruhiger Tag lässt sich gut kombinieren: S3 nach Wilhelmshagen, Neu-Venedig, zu Fuß ins Fischerdorf Rahnsdorf und in der Saison mit der F23 zurück Richtung Müggelsee.

Unsere Auswahl, Bewertungen und Wege. Öffnungszeiten und Daten geprüft bei der BVG und beim Land Berlin, Stand Oktober 2026. Gehzeiten aus OpenStreetMap-Daten. Keine bezahlten Erwähnungen. Die Neu-Venedig-Erinnerung ist Daniels eigene. Zeiten können sich ändern, bitte vor dem Besuch prüfen.